Melissa Presslaber

Austria

  • 19.06.1980
  • Austria
Skibefahrung der Südostrinne des South Teton 3814m
Skibefahrung der Südostrinne des South Teton 3814m
Skibefahrung der Südostrinne des South Teton 3814m
Skibefahrung der Südostrinne des South Teton 3814m

Alpine

Skibefahrung der Südostrinne des South Teton 3814m

Jackson Hole, das Powdermekka in den Rocky Mountains, ist das Zuhause der Creme dé là Creme des Freeridesports. Es ist die Heimat von Teton Gravity Research, ein legendäres Zentrum mit faszinierender Skigeschichte und unglaublich reichlicher Naturvielfalt. Die österreichische Freeriderin Melissa Presslaber hat ihren Winter dort verbracht und berichtet über ihre Erlebnisse.

Februar 2019: dieser wird in die Skigeschichte als neuschneereichster Monat seit Aufzeichnungen eingehen. Jeden Tag Neuschnee, fluffy Powder. Nach dem Motto: Ski, eat, sleep, repeat. Ein Traum für jeden Skifahrer, einziger Haken: du bist nicht allein. Seit diesem Winter ist Jackson Hole im Kontingent des Ikon Pass. Ein Skipass gültig für 38 verschiedene internationale Skidestinationen, hauptsächlich jedoch amerikanische Skigebiete. In den USA sind die Lifttickets im Vergleich zu den Alpen sehr teuer. Eine Tageskarte kostet hier in Jackson 150 US Dollar. Der Ikon Pass ist um die 900 Dollar zu haben. Somit ist dies eine günstige Gelegenheit skizufahren und bringt viele Leute nach Jackson. Natürlich will jeder teilhaben am epic Powder, verständlich.

Ruhiger ist es außerhalb des Skigebietes, wo ich hauptsächlich unterwegs bin, beziehungsweise im Grand Teton Nationalpark. Die Tetons sind eine ca. 100km lange Bergkette an der Grenze Wyoming/Idaho in den Rocky Mountains. Ein Paradies für Skitourengeher, Alpinisten, Kletterer. Die Zustiege sind vergleichsweise zu den Alpen sehr lang, dafür ist wenig los und die Möglichkeiten für Skitouren sind unendlich.

Ein stabiles Hoch hatte sich Mitte März gebildet und somit ist es Zeit für die anspruchsvolleren Skiziele. Die Südostrinne des South Teton lacht mir schon lange entgegen und heute soll es soweit sein. Mit 18km Länge in eine Richtung und über 1800 Höhenmetern ist diese Tour eine der Längeren. Gegen 6 Uhr früh starte ich am Parkplatz des Taggart Trailhead, bevor es die nächste Stunde durch den Wald auf und ab geht. Die größte Herausforderung hier ist es, mit Fellen auf einem schmalen, eisigen Pfad abzufahren. Dies ist eine gute Koordinations-/Gleichgewichtsschulung gleich am Morgen. Ich bin alleine unterwegs, herrlich diese Ruhe. Anscheinend wurden die ersten Bären im Nationalpark gesichtet, bei mir schlafen gottseidank noch alle. Nach ca. 3 Stunden erreiche ich das Plateau, wo sich vor mir Middle und Grand Teton auftürmen, der South Teton ist noch in weiter Ferne.

Ich gönne mir eine kurze Pause in der Sonne und stärke mich mit einem Müsliriegel. Nach der Rast geht es weiter. Ich steige Richtung Südwesten auf, erreiche ein riesiges Geröllfeld, das leider nicht schneebedeckt ist. Somit heißt es Skier an-, abziehen, und einen passenden Weg durch das Steinfeld finden.

Die Stunden auf Tour summieren sich. Durch die Höhe und die Länge der Tour merke ich die Strapazen in den Beinen. Doch es ist nicht mehr weit, der Gipfel naht. Ich klettere die steile Rampe mit Skiern am Rucksack befestigt hoch und erreiche den Gipfel des South Teton. Wow, was für ein Panorama. Alle Anstrengung hat sich gelohnt!

Nun gönne ich mir erstmal etwas zu trinken und eine Gipfeljause. Herrlich! Schmeckt doppelt so gut wie im Tal. Bin alleine am Gipfel, unglaublich. In den Alpen würde das wahrscheinlich nicht passieren. Zumindest nicht an den „Modebergen“. Ich mache mich für die Abfahrt bereit. Volle Konzentration, Fehler darf jetzt keiner passieren. Fahre vom Gipfel in die 50 Grad steile, recht schmale Rinne ein. Der erste Schwung und es läuft. Die Schneeverhältnisse sind eher durchwachsen, aber das macht nichts. Die Rinne spuckt mich aus und es öffnet sich ein riesiger Kessel. Hier habe ich beste Firnbedingungen.

Bis zum Avalanche Canyon sind es noch ein paar Höhenmeter. Vom gegenüberliegenden Berg kommen mir drei Tourengeher entgegen. Sie hatten wohl keine guten Schneebedingungen. Doch den Amerikanern macht das nichts aus. Hauptsache draußen unterwegs, sie sind trotzdem happy. Ich erreiche den Avy Canyon, Waldwegerl fahren deluxe, rauf & runter, aufpassen dass ich keinen Baum treffe. Und schon bin ich am Taggart See. Bis zum Auto ist es nicht mehr weit. Somit setze ich mich hier in die Sonne und blicke zurück auf meine Abfahrt. Wow, was für ein Tag! Schön war’s!

Text: Melissa Presslaber