Fischer Transalp 2017

Fischer Transalp 2017 - Tourentagebuch


Am Sonntag 19.03. geht es für die Transalp Gruppe 2017 inklusive Bergführern und Betreuer der Firma Fischer los in Richtung Chamonix, Frankreich. In sechs Etappen werden von dort aus die Alpen auf Tourenskiern überquert. Ziel der diesjährigen Transalp: Turin, Italien.

 

Die vielfältige Strecke der Fischer Transalp 2017

Die inzwischen siebte Fischer Transalp wird heuer an einem geschichtsträchtigen Ort einkehren. Dem weltbekannten Hospiz am Sankt Bernhard Pass nämlich. Und das ist nur ein Highlight der diesjährigen Tour, die die Teilnehmer diesen Winter von Chamonix bis in die Nähe von Turin führt. Wieder folgt die Fischer Transalp nicht ausgetretenen Pfaden, sondern sucht den Weg durch oft unbefahrenes Gebiet, um eine möglichst direkte Verbindung zu unserem Ziel zu finden.

Seit dem Bestehen der Transalp sind Skiführer Stephan Skrobar und Bergführer Peter Perhab für die Routenplanung und –erkundung zuständig. So war es auch in diesem Jahr die Aufgabe, einen direkten Weg über die Alpen zu finden, berichtet Stephan:

„Die Transalp 2017 führt uns von Chamonix über den Glacier d’Argentiere (den wir im Nebel überquert haben), vorbei an Champex (auch im Nebel ein ungemein pittoresker Platz), über den erwähnten Sankt Bernhard Pass (wo wir bei Nebel und Schneetreiben geldlos eingekehrt sind) ins Aostatal, wo wir im Schneeregen über Kartenmaterial brüteten. Vorbei am Gran Paradiso geht es durch wunderschöne Täler bis nach Groscavallo. Wir sind diese Route zur Vorbereitung nun teilweise gegangen, einige Male haben wir konkrete Zustiege und Übergänge ausprobiert, haben die winterliche Stimmung im Schneetreiben genossen, oft mit Einheimischen gesprochen und so versucht, uns ein konkretes Bild der Transalp 2017 zu machen, die wir Ende März dann bei hoffentlich Sonnenschein und ausreichend Schnee erleben werden.“

 

Die Teilnehmer

Manfred Lobenwein (AUT)

In den letzten zwei Tagen habe ich 2700 hm absolviert – mal sehen, ob ich morgen noch gehen kann ;-) Um perfekt gerüstet zu sein werde ich noch einige Trainingseinheiten starten.

Eva Wenger (AUT)

Ich befinde mich zurzeit auf der Planneralm um das neue Material zu testen und freue mich total auf unser kommendes Abenteuer Transalp!

Andrew Drummond (USA)

Wir hatten bis jetzt einen unglaublichen Winter der es mir ermöglichte viel in meinen heimischen Bergen zu trainieren und neues Terrain zu erkunden.

Marc Stifel (GER)

Die meisten Wochenenden verbringe ich mit Skitouren. Nebenbei halte ich mich mit Laufen, Biken und Klettern fit. Auch eine ausgewogene Ernährung ist mir wichtig.

Stefanie Oberarzbacher (ITA)

Mein Motto für die Transalp: Den Winter und den Schnee nehmen wie er kommt - wie jedes Jahr – und so viel Zeit wie möglich in den Bergen verbringen.

Herbert Thaler (AUT)

Ich freue mich sehr auf die Transalp! Meine Vorbereitung besteht aus Skitouren im 2-3 Tagesabstand und um meine Kraft und Kondition zu verbessern arbeite ich im Wald.

 

Tag 1:
Ankunft in Chamonix


Der Ausgangspunkt der diesjährigen Tour – Chamonix – wurde mit Hilfe der Fischer Jeep® Flotte erreicht. Von jetzt an heißt es für die Teilnehmer aus eigener Kraft inklusive Gepäck den Weg über die Alpen nach Turin zu meistern.

 

Tag 2:
Auf den Pfaden der Haute Route von Argentiere (FRA) nach Champex (SUI)


Endlich geht es los! Die Vorfreude auf die Transalp 2017 lässt die Müdigkeit der teils mehr als 20 Stunden langen Anreise der Teilnehmer verschwinden. Der Wettergott scheint der Crew wohlgesonnen und so wird bei wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein in den Tag gestartet – in manchen Hanglagen kommen so bei dem ein oder anderen Gedanken an einen Saunagang hoch. Die warmen Temperaturen zwingen noch dazu zu flottem Tempo, um nicht Gefahr zu laufen die Abfahrten in tiefem Sulz oder gar zu Fuß bewältigen zu müssen.

Rasch geht es die ersten 800 Höhenmeter auf den Col du Chardonnet (3323m), wo das Können des Teams auch gleich auf die Probe gestellt wird: Die über 50° steile Rinne auf den Saleina Gletscher muss auf Skiern abgeseilt werden. Für einige der Teilnehmer wohl das erste Mal, aber mit Hilfe der erfahrenen Bergführer geht es rasch und ohne Probleme nach unten. Die weiteren Passanstiege auf den Fenetre de Saleina und Col de Escandies sind teils steil, seilgesichert und werden mit den Skiern am Rucksack bewältigt. Anstrengende Anstiege, die aber mit der ein oder anderen Firnabfahrt belohnt werden. Die erste Etappe ist geschafft! Wenn es so weiter geht werden die Sonnencremevorräte bald verbraucht sein - aber es könnte die Crew wohl schlimmer treffen.

 

Tag 3:
Vom Lac de Toules (SUI) über den Mont Fourchon nach Saint Rhemy (ITA)


Beste Frühjahrsbedingungen bedeutet gleichzeitig früh raus aus den Federn, um bei der Abfahrt Firnverhältnisse genießen zu können. So steht die Fischer Jeep® Flotte schon um 7 Uhr bereit und bringt die Transalp Crew zum Ausgangspunkt nahe dem Lac de Toules. Auf der hart gefrorenen Schneedecke geht es flach aber zügig hinauf zum Hospiz Saint Bernard. Abfoilen – kurze, flotte Abfahrt – Anfoilen und schon geht es bei erneut strahlendem Sonnenschein rauf auf den Mont Fourchon (2902m). Der Grenzberg zwischen der Schweiz und Italien belohnt mit einem massiven Ausblick auf den Mont Blanc, Grand Combin und viele weitere Größen der Westalpen.

Noch besser als das Panorama aber gefällt der Ausblick auf die vorausliegenden breiten Firnhänge. Es ist wieder einer dieser Tage, der Diskussionen hervorruft, ob nun ein perfekter Firn- oder Powdertag das größere Vergnügen bereitet. Eigentlich wollen alle nochmal aufsteigen um die Firnhänge ein zweites Mal genießen zu können. Doch es stehen noch einige Tage bevor und so geht's zurück ins Tal nach Saint Rhemy. Die Transalp Teilnehmer haben wieder einen Traumtag hinter sich – so kann es weiter gehen – ab in Richtung Aosta und Pila.

 

Tag 4:
Frühjahrsbedingungen in der Etappe von Pila (ITA) nach Epinel (ITA)


Vor dem Start der dritten Etappe stehen viele Fragezeichen im Raum: Hält das Wetter? Friert die Schneedecke in der Nacht? Ist die Route überhaupt befahrbar? Über letzteres gibt es sogar bei Einheimischen unterschiedliche Meinungen – es wird spannend. Zwei Faktoren stehen bereits am Morgen fest: Erstens: es hat leicht gefroren und zweitens: das Wetter passt. Zwar mit leichter Bewölkung doch die Sicht ist in Ordnung. Der Aufstieg erfolgt zügig Richtung Col Tsa Setsé – doch anscheinend nicht schnell genug – die Wolken und damit schlechte Sicht zwingen zu einer 30-minütigen Verschnaufpause.

Beim nächsten Sonnenfenster wird abgefahren bei anfangs hart gefrorenem, schnell aber sumpfig nassem Schnee. Es dauert nicht lange bis die ersten Teilnehmer Purzelbäume schlagen. Auf der Südseite Richtung Valle de Cognes gibt es kaum mehr Schnee. Der geplante Aufstieg wird nach einem Drohnenerkundungsflug gestrichen, kein Schnee im geplanten Abfahrtsbereich. Wenige Meter geht es noch im Schneematsch nach unten, danach heißt es Ski auf den Rucksack und 700hm Abstieg nach Epinel. Die Stimmung ist dennoch gut, mit dem Fischer Travers Schuh geht es sich bergab beinahe wie mit einem Laufschuh. Außerdem wartet im Tal italienischer Kaffee, das macht die Schritte gleich noch um ein Stück länger.

 

Tag 5:
Teil des Abenteuers ist, sich an die Bedingungen anzupassen


Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, wurde der schlechten Wettervorhersage für Etappe vier einfach mal kein Vertrauen geschenkt. Am Morgen dann leider der ernüchternde Blick aus dem Fenster: ein Mix aus Regen und Schneefall mit dichter Bewölkung erwartet die Transalp Gruppe. Die Stimmung ist nach den letzten Tagen dennoch fabelhaft und so geht’s los in Richtung Col di Teleccio. Vielleicht gibt es auf dem Weg durch das 8 Kilometer lange Tal ja doch noch Veränderungen oder ein Wetterfenster, das ein Überschreiten des Gletschers ermöglicht. Doch das Gegenteil tritt ein: Der Schneefall wird stärker, die Spuren tiefer und von den steilen Bergwänden prasselt bereits der über die Nacht gefallene Schnee herab. Viel zu gefährlich, unter diesen Bedingungen eine derartige Überschreitung zu wagen.

„Stellt euch vor was ihr an so einem Tag zu Hause machen würdet? Die meisten würden bei solchen Verhältnissen wohl nicht mal außer Haus gehen. Sicherheit steht auch bei der Transalp an oberster Stelle! Man muss sich an die Gegebenheiten der Natur anpassen und so gut wie möglich reagieren,“ so Peter Perhab, einer der beiden Bergführer. Bevor es Richtung Gletscher geht, ist schließlich Schluss. Nach einer kurzen Besprechung wird umgekehrt und aufgrund der mageren Schneelage mit Profoils auf den Skiern im Eiltempo ins Tal zurückgekehrt. Schade, denn diese anspruchsvolle und wenig begangene Route hätte sicherlich zu einem Highlight der diesjährigen Transalp werden können.

Die letzte Etappe steht bevor und für den nächsten Stopp in Noasca sieht die Wettervorhersage leider noch schlechter aus als für den heutigen Tag. Auch das ist Teil eines solchen Abenteuers – man muss sich den Verhältnissen anpassen können. Die geplante Route kann unter diesen Gegebenheiten nicht begangen werden und so kehrt die Truppe kurzer Hand zurück nach Chamonix. Das Massiv des Mont Blanc scheint die Schlechtwetterfront aus dem Süden abzublocken – vielleicht gibt es doch noch einen perfekten Abschluss der Fischer Transalp 2017.

 

Tag 6:
Vom Winde verweht – Mont Buet (3096m)


Nach fünf Tagen in den Bergen stellt sich am Morgen ein Rhythmus ein, den man bereits beinahe im Schlaf abspulen kann. Jeder Handgriff sitzt. Der erste Gedanke widmet sich wie immer dem Wetter – speziell heute, nachdem gestern lange diskutiert wurde, wie es weitergehen soll. Es scheint, als wurde die richtige Entscheidung getroffen: Auch in Chamonix hängen Wolken über den Bergen, jedoch sehr hoch und das angestrebte Ziel – der Gipfel des Mont Buet (3096) – ist aus dem Tal immer wieder sichtbar.

Die Bergführer starten wie gewohnt in einem Tempo, als sei es der erste Tag der Transalp. Rasch werden Höhenmeter zurückgelegt. Mit ansteigender Höhe wird die Schneedecke härter und die Kälte beißender. Knapp unterhalb des Gipfels spitzt sich die Windgeschwindigkeit auf 100 km/h zu. All das kann einer Transalp Gruppe die Laune nicht verderben und die Teilnehmer scherzen über ein kostenloses Gesichtspeeling durch die waagrecht anfliegenden Schneekörner. Rechtzeitig zur Abfahrt klart es etwas auf, die Sicht wird besser und es geht durch teils enge Rinnen wieder zurück in den Talboden. Als Highlight zum Abschluss kreuzt dort auch noch ein Steinbock den Weg und verfolgt die Abfahrt der Truppe aus sicherer Entfernung.

Das war die Transalp 2017: Sonne und Firn, Kälte Wind und Schneeregen begleiteten die Teilnehmer auf ihrem Weg über die Alpen. Es gab atemberaubende Panoramen, abwechslungsreiche Anstiege, spektakuläre Abfahrten und viele Überraschungen. So schnell wird diese Woche wohl keiner vergessen. Was bleibt sind neue Freundschaften und langanhaltende Erinnerungen an grandiose Tage.