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Alpine

Portillo steht auf der Ranger "Bucket List"

Mit einem langen Flug gelangt jeder Skifahrer von der Sommerhitze in das Herz des Winters in diesem legendären Skigebiet in Chile.

Text von Sven Brunso, Fotos von Liam Doran

Als mein Nachtflug sich auf Santiago senkt schweift mein Blick von den schneebedeckten Anden, die sich vor meinem Fenster abzeichnen, hinunter zu meinen Shorts und Flip Flops. Ich schließe meine Augen, rieche noch ein wenig den Duft von Sonnenmilch und bereite meinen Geruchssinn auf den himmlischen Duft frisch gewachster Ski vor. Mit meinem achtstündigen Flug bin ich vom Hochsommer zu Hause in Colorado, in das Herz des Winters in Südamerika gelangt. Dieser verkürzte Wechsel zwischen den Jahreszeiten ist die Realität für Skifahrer, die auf der Suche nach endlosem Winter von der nördlichen Hemisphäre in den Süden reisen.

Etwas mehr als drei Stunden nach der Landung in Santiago krame ich in der Lobby des Hotel Portillo in meinem Gepäck und suche krampfhaft nach meiner Skiausrüstung, um noch ein paar Runden im Pulverschnee zu drehen, bevor unsere Zimmer fertig sind. Ich erinnere mich direkt an die Unzulänglichkeiten des Packens der Skiausrüstung, wenn es draußen 32° Grad Celsius warm ist. Die Vorstellung, dass es im August kalt sein könnte, ist schwer zu begreifen, wenn man sein Gepäck in der Hitze des Sommers vorbereitet und ich merke schnell, dass ich vielleicht ein paar wichtige Dinge wie einen Baselayer und ein Halstuch vergessen habe. Ich schließe den Reißverschluss meiner Jacke bis zum Anschlag und mache mich auf den Weg in eine Jahreszeit, die noch vor einem Tag so weit entfernt schien.

Ich bin in der Hoffnung nach Portillo gekommen, dem Sommer eine vorübergehende Pause zu gönnen und mit Skifahren den langen Herbst zu Hause zu überstehen. Als der Sessellift zu einem hohen schneebedeckten Aussichtspunkt hinauffährt wird mir schwindelig, während ich die erste kalte Bergluft seit Monaten einatme und meine Augen die majestätischen schneebedeckten Gipfel rund um Portillo in sich aufsaugen. Am Ausstieg des Lifts halte ich an, schließe meine Skischuhe, schüttele den Sommer ab und beginne meinen Tanz mit dem Berg. Wie beim Radfahren kehrt das Gedächtnis der Muskeln nach ein paar Kurven zurück und ich bin wieder fest in der Hand des Winters, meinem Ort des Glücks. In diesem Moment fühlen sich all die Opfer, die ich in meinem Leben gebracht habe, um dem endlosen Winter nachzujagen, sehr lohnend an!

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Das Hotel Portillo wird oft als Kreuzfahrtschiff der Berge bezeichnet. Wie ein riesiges Schiff hat es alles, was man für einen tollen Urlaub braucht. Allerdings gibt es ein paar bemerkenswerte Unterschiede zu einem herkömmlichen Kreuzfahrtschiff: Das Gourmet-Essen im Hotel Portillo wird nicht an einem Buffet serviert und statt eines endlosen Ozeans vor den Fenstern bist du von den schroffen Anden umgeben, darunter mit dem Aconcagua auch dem höchsten Gipfel der Welt außerhalb des Himalayas.

Das Hotel Portillo wurde in den 1940er Jahren erbaut und in den letzten 80 Saisonen hat sich nicht viel verändert. Die meisten Hotelangestellten sind schon seit Jahrzehnten hier und einen Fernseher wird man im Hotel Portillo vergeblich suchen. Man kann zwar eine WLan-Verbindung herstellen, muß sich aber nicht unbedingt einloggen, denn der Zweck eines Besuchs im Portillo ist es, die Realität zu Hause zu lassen und sich mit Freunden, der Familie und einer aus aller Welt stammenden Community von Skifahrern zu unterhalten, die jeden Sommer hierher kommt. Glücklicherweise ist die Skitechnologie seit den alten Tagen weit fortgeschritten und die langen Holzbretter aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden durch Ski wie den Fischer Ranger 108 ersetzt, die das Navigieren durch die Steilhänge und Rinnen von Portillo zum reinsten Vergnügen machen.

Dieses Foto wurde unter dem Plateau-Sessellift aufgenommen, ein paar Tage nachdem ein Sturm für einen halben Meter Neuschnee sorgte. In den Skigebieten Nordamerikas wäre dieser Hang bereits verspurt gewesen, aber in Portillo locken riesige Pulverschneevorräte so weit das Auge reicht und laden abenteuerlustige Skifahrer dazu ein, diese leere Leinwand zu gestalten. Das Schöne am Powder-Skifahren in Portillo ist, dass die Schwünge im Pulverschnee oft gut sichtbar sind, bis die nächste Welle von Feuchtigkeit über die Anden hereinbricht.

In Portillo gibt es zwar präparierte Pisten, aber der Grund, warum etablierte Skifahrer aus der ganzen Welt hierherkommen, sind die weltweit am leichtesten zugänglichen Steilhänge. Mit nur 450 Skifahrern pro Tag reicht der Schnee in Portillo für viele Tage und oft sogar eine Woche, nachdem ein Sturm weiter gezogen ist. Von den höchsten Schleppliften aus können sich die Skifahrer weit ausbreiten, um an unverspurte Tiefschneeabfahrten zu gelangen, ohne einen Schritt gehen zu müssen. Es hat etwas sehr Befriedigendes, eine lange Tiefschneeabfahrt direkt zurück zum Hotel zu fahren, wo mit dem Gourmet-Mittagessen eine angemessene Stärkung für die nachmittägliche Skisession wartet.

Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, die den Skifahrer, der sich seine Schwünge verdienen will, mehr belohnen als Portillo. Wenn du keine Angst hast, ins Schwitzen zu kommen und es dir nichts ausmacht, die Ski auf die Schulter zu nehmen, wirst du es lieben. Überall, wo du hinschaust, gibt es von anderen Skifahrern geschaffene "Stairways to Heaven" und wenn du nicht schon eine Spur auffindest, bist du herzlich eingeladen, für deine Skikollegen eine neue anzulegen. Die ultimative Portillo-Besteigung findet man mehr als 2.000 Höhenmeter oberhalb des Roca Jack Liftes zum sagenumwobenen Super C Couloir. Nachdem sich deine Lunge und deine Oberschenkel vom Aufstieg zum Super C erholt haben, wirst du mit einer Abfahrt belohnt, die du für immer in Erinnerung behalten wirst.

Die Winde, die über Portillo wehen, können den Schnee auf magische Weise verändern. Hänge, die tagsüber verspurt wurden, können nachts so verblasen werden, dass sie am nächsten Tag wie unberührt wirken. Die Berge in der Umgebung von Portillo sind gewaltig und erst wenn man die Strecke zu Fuß überwindet, realisiert man, dass man für die viel kürzer wirkenden Aufstiege oft 30 Minuten braucht. Die Belohnung dafür ist aber wiederum, dass der unverspurte Hang deutlich mehr Schwünge bietet, als vorher angenommen.