Nordic

Der Weltcup in Zeiten von Corona

Die Weltcupsaison 20l21 ist gerade erst gestartet. Es wird definitiv eine andere als gewohnt. Gerhard Urain, Nordischer Rennsportleiter bei Fischer, wagt eine Einschätzung:

Wie ist für dich, als Rennservice Chef Nordic, das Ende der vergangenen Saison gelaufen?

Die Saison 19l20 war generell eine sehr erfolgreiche, die allerdings ein unerwartetes und plötzliches Ende nahm. Wir kamen von der für uns sehr erfolgreichen Biathlon WM in Antholz (ITA). Dort war noch alles normal. Bei den folgenden Weltcups in Oslo und Kontiolahti gab es dann die Diskussionen, ob Zuschauer zugelassen werden oder nicht. 4 Tage später war es kaum mehr möglich nach Österreich zurück zu kommen. Ich hätte mir niemals gedacht, dass ein Virus die Welt so lahmlegen kann.

Was hat Covid-19 in diesem Sommer für Auswirkungen auf eure Arbeit gehabt?

Dieses Jahr war alles anders. Speziell zwischen April und Juni sind alle Tests auf Schnee ausgefallen. Auch über den Sommer konnten fast keine Mannschaften nach Ried kommen und persönliche Treffen waren kaum möglich. Die Abstimmung für die Skiauswahl der Speedmax3D sowie für Schuhanpassungen der Speedmax Schuhe etc. mussten wir beinahe zu 100% telefonisch machen. Das gesamte Material musste verschickt werden. Darüber hinaus hat sich durch den Lockdown im Frühjahr die Produktion der Ski nach hinten geschoben, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Wie sehen deine Erwartungen für die nahende Weltcup-Saison aus?

Generell sehe ich der Saison positiv entgegen, auch wenn die Zahlen derzeit wieder leicht ansteigend sind. Im Frühjahr hat es ganz schlecht ausgesehen, aber der Sommer ist um vieles besser verlaufen als wir es erwarten konnten. Die Dachverbände FIS und IBU arbeiten an entsprechenden Konzepten, und ich denke wir werden viele Wettkämpfe durchführen können. Ich rechne zunächst nicht mit Zuschauern, was sehr schade ist. Wir hoffen allerdings, dass sich die Lage im Frühjahr wieder entspannt und wir ab der Saison 21l22 wieder Veranstaltungen mit Publikum erleben dürfen. Sehr viel wird sich in den nächsten Wochen noch entscheiden. Generell erwarte ich eine Saison, in der wir viel improvisieren und schnell reagieren müssen.

Werden wir neue Athleten im Fischer Racing Team begrüßen dürfen?

Fischer steckt in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Situation. Das heißt wir müssen in allen Bereichen, auch im Rennlauf, extrem sparen. Trotz dieser Situation versuchen wir den bestehenden Rennlaufkader gewohnt gut zu unterstützen. Es werden daher nur einige wenige Athleten unseren Kader verstärken, die unbedingt zu Fischer wechseln wollten. Mit diesen haben wir gemeinsam ein Paket gefunden, das für beide Seiten passt.

Welche Veränderungen wird es in diesem Jahr hinsichtlich Covid-19 geben?

Die Dachverbände FIS und IBU erarbeiten entsprechende Konzepte auf Basis von Social Distancing und vermehrten Tests. Klar ist, dass vieles anders ablaufen wird als in der Vergangenheit. Mindestens einmal pro Woche müssen Personen, die im Weltcupzirkus unterwegs sind, einen Test abliefern. Bei der FIS wird es einen Covid-19-Pass geben, in dem man seine Aufenthaltsorte angeben muss und alle Tests, samt Ergebnissen, eingetragen werden. Die Anzahl der Akkreditierungen wird reduziert, so dass insgesamt der Weltcupzirkus verkleinert wird. Es wird vor Ort Einschränkungen geben und wir werden auf die Vorgaben flexibel reagieren müssen.

Wie bereitet ihr euch auf die heimatnahen Weltmeisterschaften in Oberstdorf und Pokljuka vor?

Generell laufen die Vorbereitung für die Weltmeisterschaften in Oberstdorf bzw. Pokljuka bereits seit zwei Jahren und die Quartiere sind fix gebucht. Wir planen wieder eine eigene Schleifmaschine mitzunehmen, wofür vor Ort eine geeignete Lokalität organisiert wurde. Das Testen des Materials erfolgt nicht speziell für die Weltmeisterschaften, sondern ist ein laufender Prozess der Verbesserung. Wir haben im Frühjahr sicherlich einen Monat Testzeit verloren. Unser Ziel ist es die guten Bedingungen, die derzeit auf den Gletschern herrschen, auszunutzen, um dringend benötigte Tests nachzuholen.

Was bedeutet für dich #livetoski bzw. der Slogan „Skiing is not a lifestyle it’s life”?

Für mich persönlich ist Langlaufen meine Lieblingssportart. Ich bewege mich unheimlich gern in der Natur. Sport hilft mir einen Ausgleich zum Stress im Alltag und Beruf zu finden. Ein Skitest am Sonntag am Gletscher ist keine Seltenheit.

Herzlichen Dank Gerhard Urain, Nordischer Rennsportleiter