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Zwei Champions – ein Mindset


Frida Karlsson und Johannes Høsflot Klæbo überstrahlen mit ihren sensationellen Erfolgen die moderne Langlaufszene. Im Gespräch blicken sie zurück auf olympische Triumphe und Rückschläge, sprechen offen über Familie als Erfolgsfaktor – und darüber, was sie weiter antreibt.

2026-11-05
Sechs Olympia-Goldmedaillen – hast du das vorher für möglich gehalten?
Johannes: Tatsächlich nicht. Mein Traum waren vielleicht fünf - wenn alles perfekt läuft. Jetzt fühlt es sich einfach verrückt an – besser und cooler als erwartet. Darauf werde ich mein ganzes Leben stolz sein.
Was zählt mehr: sechs Goldmedaillen bei Olympia oder in Trondheim?
Johannes: Das ist schwierig. Trondheim war härter und bedeutete mir persönlich mehr, weil ich zehn Jahre darauf hingearbeitet habe. Aber Olympia ist international größer. Das Gute ist, dass ich bei beiden gleich erfolgreich war – also gleichwertig.
Was bedeuten dir deine ersten Olympia-Goldmedaillen?
Frida: Sehr viel. Nachdem es für mich in Peking nicht lief, war ich hungrig auf eine Revanche. Ich wollte einfach Olympia genießen. Das ist mir gelungen und ich konnte mich in Bestform zeigen.

Was ging dir in der Staffel bei Ebbas Sturz durch den Kopf?
Frida: Ich habe den Sturz selbst gar nicht gesehen, nur dass sie auf einem Ski um die Kurve kam. Ich dachte: „Nicht schon wieder“ und sah aus wie eine Diva. Wir haben das beste Damenteam, aber Schweden und Staffeln passen nicht gut zusammen.
Wie seid ihr danach als Team damit umgegangen?
Frida: Unser Ziel war Gold, aber nach dem Rennverlauf waren wir super happy mit Silber - man kann schließlich auf verschiedene Arten gewinnen. Es hat uns näher zusammengebracht. Beim abendlichen Meeting saßen wir tatsächlich nicht verteilt, sondern ganz eng zusammen. Es war ein gutes Gefühl – jeder wollte für den anderen da sein. Ebbas Sturz war das Thema des Tages, und am Ende lachten alle, auch Ebba, darüber.
Dein Sprint am letzten Anstieg ging viral – wie kam es zu dieser Technik?
Johannes: Das ist über Jahre entstanden. Um 2016 haben mein Großvater und ich angefangen, daran zu arbeiten. Seitdem haben wir immer wieder kleine Dinge verbessert. Bei Olympia hat alles perfekt gepasst, und es war cool zu sehen, wie die Leute darauf reagiert haben.
Was bedeutet für dich, dass du 25I26 alle drei Kristallkugeln gewonnen hast?
Johannes:Sie waren meine Motivation zum Saisonende. Das hat vorher noch keiner geschafft. Es zeigt, dass man über Jahre einen guten Job gemacht hat. Dieses Jahr lief für mich alles nach Plan, aber ein bisschen Glück gehört auch dazu. Ich freue mich jetzt schon darauf sie einmal meinen Enkelkindern zu zeigen.
Was motiviert euch an den schwierigen Tagen?
Johannes: Jeder hat solche Tage. Dann ist es wichtig, dass man sich auf sein großes Ziel konzentriert. Für mich war das lange Trondheim, dann Olympia. Es geht für mich immer darum, Dinge zu finden, die mir wichtig sind und auf die ich hinarbeiten kann.
Frida: Ich mag die Mischung aus Spaß und Herausforderung. In harten Momenten genieße ich es nicht direkt, aber ich weiß, dass ich danach umso stolzer bin, es geschafft zu haben.
Eure Karrieren sind Familienbusiness – was bedeutet das für Euch?
Johannes: Es hat Vor- und Nachteile. Mein Großvater ist mein Coach und einer meiner besten Freunde, wir sprechen fast täglich. Mein Vater kümmert sich um vieles drumherum. Der Nachteil: Wir reden sehr oft über die Arbeit – selbst beim Abendessen mit der Familie.
Frida: Es bedeutet mir sehr viel. Meine Mama ist meine Managerin, mein Papa unterstützt auch sehr viel. Ich fühle mich sicher, weil sie mich am besten kennen und ich weiß, dass für sie mein Wohlergehen immer an erster Stelle steht.
Was sind eure nächsten Ziele?
Johannes: Die WM in Falun. Es gibt eine gewisse Rivalität zwischen Norwegen und Schweden. Es ist daher meine besondere Motivation dort zu gewinnen.
Frida: Es geht mir nicht um einzelne Siege. Ich liebe es in Bestform zu sein – wenn man körperlich spürt, dass man unerreichbar ist. Dieses Gefühl ist einfach nicht zu schlagen.