Raphael Haaser ist Weltmeister
Raphael Haaser ist am Ziel seiner Träume angekommen und hat mit einer kaum in Worte zu fassenden Leistung unmögliches möglich gemacht: Der Österreicher kürt sich im heimischen Saalbach zum Weltmeister im Riesenslalom, der Königsdisziplin im alpinen Skisport. Und das nur wenige Tage nach dem Gewinn der Silbermedaille im Super G.


Wer hätte vor wenigen Tagen, als wir noch voller Stolz über die sensationelle Silbermedaille von Raphael Haaser im Super G berichtet haben, gedacht, dass wir nur sieben Tage später wieder hier stehen und eine noch viel größere Sensation zu berichten haben. Denn Raphael Haaser führt seinen Siegeszug der letzten Wochen fort und kürt sich im eigenen Land zum Weltmeister in der Königsdisziplin des alpinen Skisports: dem Riesenslalom.


Dabei standen die Vorzeichen alles andere als gut. Mit einer Kreuzbandverletzung verpasste der Achenseer einen Großteil der bisherigen Saison und konnte erst zwei Wochen vor der WM sein Comeback feiern. Das tat er allerdings mehr als eindrucksvoll mit einem zweiten Platz im Super G von Kitzbühel. Doch dann, einen Tag vor seinem ersten Start bei der WM, die nächste Hiobsbotschaft. Seine Schwester Ricarda Haaser riss sich beim Super G der Damen das Kreuzband, musste ins Krankenhaus und am selben Tag noch operiert werden.
Bei Raphi Haaser schien das aber wohl eher eine "Jetzt erst recht"-Einstellung auszulösen, denn schon beim Super G fuhr er wie entfesselt. Einen genaueren Rennbericht findet ihr hier.
Beim Riesentorlauf räumte man Haaser, im Gegensatz zum Super G, allerdings nur kleine oder gar keine Chancen auf ein Podium ein. Mit Startnummer 22 ging der Tiroler auch mit einer ordentlichen Hypothek ins Rennen. Wir konnten Haaser noch im Startbereich antreffen und schon dort machte er einen extrem entspannten und lockeren, aber gleichzeitig fokussierten und entschlossenen Eindruck. Auch der schnelle Ausfall seines favorisierten Marken- und Nations-Kollegen Stefan Brennsteiner konnte ihn nicht aus der Fassung bringen.




Und so ging Haaser mit besagter Startnummer 22 ins Rennen, bei leichtem Schneefall und nicht ganz optimaler Sicht. Aber mit der Sicherheit der Silbermedaille im Rücken und einer gnadenlos guten Linienwahl merkte man schon nach wenigen Zwischenzeiten, dass der Tiroler auf einem richtig guten Weg ist. In jedem Sektor war Haaser nur knapp hinter den Leistungen des führenden Timon Haugan aus Norwegen und so stand am Ende eine erfreuliche Zeit von +0.62 Sekunden und ein fünfter Rang auf der Anzeigetafel im Saalbacher Zielstadion. Ein erster Zwischenerfolg!


Die Spannung im Zielstadion stieg, denn Haaser war auch die letzte Hoffnung der österreichischen Fans auf ein gutes Ergebnis ihrer Mannschaft. Mit einem soliden Start und einem traumhaften Mittel- und Schlussteil katapultierte sich der Achenseer tatasächlich in Führung, das Stadion in Saalbach bebte. Und nun sollte unglaubliches Folgen: Fahrer um Fahrer bissen sich die anderen Athleten die Zähne an Haaser's Zeit aus. Erst Steen Olson (NOR), dann Odermatt (SUI), dann Meillard (SUI) und zuletzt auch Haugan (NOR) schafften keine neue Bestzeit und damit war die Sensation perfekt.
Raphael Haaser ist somit der neue Weltmeister im Riesenslalom. Sein erster Sieg überhaupt in dieser Disziplin sollte ihm also direkt den Weltmeistertitel bescheren, was für eine Geschichte! Komplettiert wurde das Podium durch die starken Schweizer Thomas Tumler und Loic Meillard. Haaser war sichtlich gerührt und musste sich erst einmal ein paar Sekunden sammeln, doch dann war der Jubel große und ein langer und arbeitsreicher Tag für Haaser mit Autogrammen, Interviews, Siegerehrungen und Parties nahm seinen Anfang. Ein Opfer, das er angesichts dieses Erfolgs sicherlich gerne gebracht hat.



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