Fischer Transalp 2019 Tourentagebuch

 

Am 01. April macht sich die Fischer Transalp Crew zum neunten Mal auf ihren Weg, um die Alpen auf Tourenski zu überqueren. Die diesjährige Tour führt ihre Teilnehmer von Livigno (ITA) ausgehend in sechs Etappen nach Innsbruck (AUT).



Fischer Transalp 2019

Über 540 tourenbegeisterte Einsendungen aus aller Welt machten den Auswahlprozess der Teilnehmer auch in diesem Jahr besonders schwierig. Um die Sicherheit am Berg zu gewährleisten, können nicht mehr als acht Sportler auserwählt werden und so musste schlussendlich das Los unter den kreativsten und stärksten Bewerbern entscheiden.

Die glücklichen Auserwählten Paul Norheim (NOR), Thomas Herdieckerhoff (GER), Rahel Bertuzzi (SUI), Flavio Alberti (ITA), Lisa-Marie Reiter (AUT), Matthew Williams (USA), Anastasia Mikhina (RUS) und Franck Mazas (FRA) berichten hier täglich über ihre Erlebnisse während der Fischer Transalp 2019.

Tag 1: Von Livigno (ITA) nach Cierfs (SUI)

Endlich geht das Abenteuer Transalp los! Wir starten in Livigno und zu dieser Jahreszeit heißt es früh raus aus den Federn - vor allem wenn die erste Etappe weit über ein gemütliches Aufwärmen hinausgeht.

Die Anstiege zwischen Livigno und unserem heutigen Ziel Cierfs (SUI) sind zwar nicht allzu lang, die Talböden dazwischen dafür aber umso länger! Bei der Überwindung dieser Distanzen stellten wir fest, dass ein Langlauftraining in der Vorbereitung wohl definitiv gefehlt hat.

Satte 8 Stunden waren wir schließlich unterwegs: bei lang anhaltender Sonne, hohen Temperaturen und schlussendlich sogar noch mit Schneefall!


Tag 2: Von Cierfs auf die Sesvenna Hütte

Es scheint uns fast, als werden die Täler länger und das Wetter gleichzeitig schlechter. So ging es heute bei fast durchgängigem Schneefall im Blindflug über das Örtchen S-charl und die Fuorcola Sesvenna zur  Sesvenna Hütte! Unser GPS war dabei heute unser bester Freund, ohne dies wäre es heute richtig schwierig gewesen unser Ziel zu erreichen. Unsere Laune lassen wir uns dadurch aber nicht verderben – frischer Schnee heißt ja hoffentlich Powder für die nächsten Abfahrten!

Die erste beiden Etappen hatten es ordentlich in sich, vor allem bei den sportlichen Tempovorgaben unserer Guides! Am Ziel angekommen ist das aber nach einem Begrüßungs-Schnapserl alles vergessen und die Motivation für die nächsten Etappen ist groß!

Tag 3: Von der Sesvenna Hütte zur Planänderung

Wir haben ja bereits am Vorabend darüber gemunkelt wie es unter diesen Bedingungen wohl weitergehen soll.

Schneefall, starker Wind und kaum Sicht heißt in der Regel man bleibt zu Hause – nicht aber bei einer Fischer Transalp! Die Crew mitsamt den Bergführern scheint dieses Szenario bereits vom Vorjahr gut zu kennen und so heißt es Kurzerhand: Planänderung!

 

Statt rauf auf den Grionkopf geht es erst mal in Richtung Tal, zurück nach Schlinig. Unser Alternativziel für heute ist der Watles. Auf den ersten Metern im Aufstieg sind wir uns noch alle einig: Powder ist uns lieber als Sonnenschein. Am Gipfel angekommen hat sich diese Meinung beim Großteil aber rasch geändert. Das Wetter zeigt sich von seiner schlechtesten Seite, starker Wind und vereiste Schneeflocken blasen uns um die Ohren. Sowohl für den Aufstieg als auch für die Abfahrt benötigten wir heute das GPS Gerät, von guter Sicht war keine Rede.

 

Den beim Aufstieg erhofften Powder hängen wir somit erstmal an den Nagel, unser Fokus liegt heute nur noch auf dem Weg zur Sauna!

Tag 4: Vom Rojental auf den Griankopf (2.896m)

50cm Neuschnee und eine Wetterprognose, die endlich Sonne zeigt – der Morgen von Tag 4 zeigt sich von der besten Seite und verspricht vermeintlich perfekte Tourenbedingungen. Außerdem begleitet uns ab heute ein ganz besonderer Gast: die Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner!

Ein Blick auf die Lawinenwarnstufe trübt die Vorfreude jedoch etwas - der geplante Aufstieg zur Vernagthütte ist bei diesen Konditionen nicht möglich.

Die Alternativtour führt uns aus dem Rojental auf den Griankopf (2.896m) wo wir endlich bei strahlendem Sonnenschein das grandiose Bergpanorama genießen können, das in den vergangenen Tagen noch in dichte Wolken und Nebel gehüllt war. Eine perfekte Powder-Abfahrt wartet auf uns!

Trotz großer Vorsicht löst sich im oberen Drittel ein Schneebrett der Größe 2, bei dem aber glücklicherweise niemand von uns verletzt wird. Wir sind heute alle froh gesund und heil wieder im Tal angekommen zu sein.

Tag 5: Ein Tag wie aus dem Bilderbuch – und trotzdem heißt‘s: Safety First

Mit der für die Meisten neuen Erfahrung des Lawinenabgangs vom Vortag beschließen wir gemeinsam im Team, den heutigen Tag zu nutzen, um in Zukunft in solchen Situationen schnell und richtig reagieren zu können.

So geht es gemeinsam mit Gerlinde Kaltenbrunner zu einem umfangreichen LVS-Training auf den Pitztaler Gletscher. Oben angekommen blutet bei manchen von uns doch etwas das Tourengeherherz. Weiße Gipfel lachen uns entgegen und fremde Tourengruppen marschieren an uns vorbei.

Spätestens nach dem intensiven Training im hüfttiefem Schnee ist dies jedoch vergessen. Wir alle haben am heutigem Tag einiges dazu gelernt und konnten dabei von dem Know-How unserer Bergführer profitieren. Vor allem seit dem gestrigen Tag ist uns klar, wie wichtig es ist, den Ernstfall so oft wie möglich zu trainieren, um mit einer gewissen Routine ans Werk gehen zu können.

 

Der morgige Tag verspricht eine verringerte Lawinengefahr und wir freuen uns auf den Finaltag bei einer letzten gemeinsamen Tour.

Tag 6: Wir sind wieder auf Kurs

Bereits um 5 Uhr morgens läuten heute unsere Wecker denn durch die schöne Wettervorhersage müssen wir mit einem raschen Temperaturanstieg rechnen. Zügig geht es die ersten Höhenmeter nach oben, erst zu Fuß, dann auf Skiern geht es zur Winnebachseehütte.

Immer wieder blinzelt bereits früh die Sonne durch und ab dem Winnebachjoch fühlt sich der heutige Tag an wie Sommer. Der ein oder andere unter uns sehnt sich bei diesen Temperaturen schon nach einer kurzen Hose.  

 

 

Mit Steigeisen geht es am von den Guides verlegten Seil auf den Gipfel des Winnebacher Weißkogel (3182m), wo uns der wohl eindrucksvollste Rundblick der Transalp 2019 erwartet. Ein perfekter Abschluss nach einer turbulenten Woche.

Eines der schönsten und wichtigsten Dinge, die uns am Ende der Fischer Transalp in Erinnerung bleiben, sind die unvergesslichen Momente, die wir gemeinsam mit Gleichgesinnten erleben durften.