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Alpine

Lawinengefahr: Darauf solltest du achten

Es ist ein absoluter Traumskitag mit glitzerndem Schnee soweit das Auge reicht. Tourengeher, Freerider und selbst Schneeschuhwanderer werden bereits unruhig und können es kaum erwarten, sich auf die frisch verschneiten Hänge hinauszuwagen. Doch ist der Tag im freien Gelände auch wirklich sicher? Wir erklären, wie du die Lawinengefahr richtig einschätzt und dich so verhältst, dass du möglichst lawinensicher unterwegs bist. Hier die Tipps, die überlebenswichtig sein können.


Grundwissen: Das Lawinen-ABC

Egal, ob Skitourennovize oder erfahrener Tourengeher, eine gute Selbsteinschätzung ist das A und O der Lawinensicherheit. Da heißt es, im Zweifelsfall lieber Nachhilfestunden zu nehmen, als auf gefährliches Halbwissen und Irrtümer à la „einer Lawine kann man ganz einfach davonschwimmen“ und „Ich weiß eh, wo es sicher ist“ hereinzufallen.


Lawinengefahrenskala

Die Lawinengefahrenskala ist europaweit einheitlich festgelegt. Das bedeutet also: Egal, ob du in heimischen Gefilden oder beispielsweise den Schweizer Alpen unterwegs bist, die Lawinengefahrenstufen sind immer die gleichen.

Wichtig ist, im Hinterkopf zu behalten, dass die Gefahr nicht linear ansteigt, sondern sich von Stufe zu Stufe verdoppelt. So erklärt sich auch, warum bei Stufe 1 den meisten Skitouren und Tiefschneeabenteuern nichts im Weg steht, bei Stufe 5 aber häufig nicht einmal das Tal begehbar ist.

Wer gerne im freien Gelände unterwegs, aber nicht bereit ist, mit dem Leben dafür zu bezahlen, muss lernen, Verzichtbereitschaft an den Tag zu legen und manche Powderhänge, die von unten herzzerreißend schön und unberührt daherkommen, links liegen zu lassen. Defensives Verhalten ist für die Lawinensicherheit absolut maßgeblich!

Die Europäische Lawinengefahrenskala

  Gefahrenstufe  SchneedeckeAuslösewahrscheinlichkeit
    1       gering   Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil.  Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur kleine und mittlere Lawinen möglich.
    2       mäßig   Die Schneedecke ist an einigen Steilhängen nur mäßig, ansonsten allgemein gut verfestigt.Lawinenauslösung ist bei großer Zusatzbelastung möglich, vor allem an den angegebenen Steilhängen. Sehr große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten.
    3       erheblich   Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt.Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige große, vereinzelt aber auch sehr große Lawinen möglich.
    4       groß   Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen (Hänge steiler als 30 Grad) schwach verfestigt.Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele große, mehrfach auch sehr große Lawinen zu erwarten.
    5       sehr groß   Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil.Spontan sind viele sehr große, mehrfach auch extrem große Lawinen zu erwarten, selbst in mäßig steilem Gelände.

Während bei Stufe 1 gute und überwiegend sichere Verhältnisse herrschen, ist bei Stufe 3 Abseitsfahren nicht mehr ohne weiteres möglich und auch das Tourengehen ist eingeschränkt. Da bei Stufe 4 mittlere und große Lawinen spontan ausgelöst werden können, ist hier noch mehr Vorsicht geboten. Bei Stufe 5 solltest du in jedem Fall daheim bleiben.

Unterschieden wird in der Lawinengefahrenskala auch zwischen großer und kleiner Zusatzbelastung. Eine große Zusatzbelastung stellen dabei zum Beispiel große Gruppen dar, die eng nebeneinander hergehen oder fahren, Winterwanderer, aber auch Stürze und Sprünge in freiem Gelände. Eine kleine Zusatzbelastung sind dagegen einzelne Skifahrer, Snowboarder oder Schneeschuhgeher sowie Gruppen mit Entlastungsabstand.


Entstehung von Lawinen  

Eine Lawine entsteht aus verschiedenen Gründen. Als Baumeister der Lawinen gilt der Wind, der für Schneeverfrachtungen sorgt. Das sind die Hauptgründe, weshalb Lawinen entstehen:


Wetter

Die Witterung ist maßgeblich dafür, wie wahrscheinlich Lawinen entstehen können. Wer sich viel im alpinen Gelände bewegt, wird die meisten Gefahrenquellen hier bereits kennen:

  • Neuschnee
  • Regen
  • Temperaturschwankungen
  • Wind

Diese vier Faktoren ändern die Schneebeschaffenheit grundlegend und erhöhen somit die Lawinengefahr. Das ist auch einer der Gründe, warum du selbst während einer Tour Wetterumschwünge im Blick behalten solltest.

Warum gilt der Wind als besonders gefährlich? Er zerstört die Form der Schneekristalle und packt den Schnee dicht zu einer Fläche, die als Schneebrett abgehen kann.


Hangbeschaffenheit

Je steiler der Hang, desto höher die Lawinengefahr. Bei Steilhängen von mehr als 30 Grad kann grundsätzlich nicht von Lawinensicherheit gesprochen werden. Insbesondere selten befahrene Hänge gelten als noch mehr gefährdet. Auch die Hangform entscheidet darüber, ob eine sichere Abfahrt möglich ist. Vermeiden solltest du Rinnen und Mulden, denn hier fließen Lawinen häufiger ab und du wirst im Zweifelsfall tiefer verschüttet.


Schneebeschaffenheit

Die Schneebeschaffenheit ist ein wichtiger Faktor für die Lawinengefährdung. Verändert sich die Struktur des Schnees, hat das meistens Auswirkungen auf die Lawinensicherheit. Liegt lockerer Neuschnee auf hartem Schnee auf, ohne, dass die beiden Schichten sich entsprechend verbinden können, wird das ganze System instabil und kann zu rutschen beginnen. Auch eine Durchfeuchtung mit Wasser in undurchlässigen Zwischenschichten kann gefährlich werden.


Lawinenarten

Schauen wir uns kurz die verschiedenen Lawinenarten an. Die Schneebrettlawine ist für Skitouren und Tiefschneefahrten wohl am gefährlichsten, da sie am schwierigsten einzuschätzen ist und sich innerhalb kürzester Zeit große Schneemassen lösen und Richtung Tal bewegen können.

Diese Lawinenarten gibt es und daran erkennst du sie:

  • Schneebrettlawine: Die Schneebrettlawine haben wir bereits erwähnt. Du erkennst sie anhand eines linienförmigen Risses quer zum Hang; sie kann ab einer Neigung von ca. 25 Grad entstehen.
  • Gleitschneelawine: Der Anriss sieht aus wie bei der Schneebrettlawine, allerdings rutscht die gesamte Schneedecke in sehr steilem Gelände ab. Diese Lawinenart wird normalerweise nicht von Personen ausgelöst.
  • Staublawine: Sie entsteht zumeist aus einer Schneebrettlawine bei großer und sehr großer Lawinengefahr, kann ganz enorm an Fahrt aufnehmen (bis zu 300 km/h) und äußerst große Schäden hinterlassen.
  • Nassschneelawine: Der Klassiker im Frühjahr bei Regen oder Temperaturanstieg. Sie wird häufig spontan ausgelöst. Weil sich in der Schneedecke flüssiges Wasser befindet, ist die Bindung der Schichtgrenzen geschwächt, der Schnee rutscht in der Folge ab.




Lawinengefahr auf Skipisten

Ja, auch auf Skipisten ist grundsätzlich eine Lawinengefährdung gegeben. Ist diese allerdings zu hoch, bleiben das Skigebiet geschlossen und die Lifte stehen. An diese Sperren solltest du dich auf jeden Fall halten, denn sie werden nicht leichtfertig verhängt.

Häufig werden die Lawinen allerdings schon vor Beginn des offiziellen Skibetriebs gesprengt, um sie so kontrolliert auszulösen. Dann steht einem unbeschwerten Pistentag nichts im Wege. Skipisten sind also immer noch die beste Alternative für Tage mit ansonsten hoher Lawinengefahr, an denen der Ruf des Berges unüberhörbar ist.

Planung: Lawinengefahr im Vorfeld auschecken


Planung: Lawinengefahr im Vorfeld auschecken

Planlos geht mein Plan los? Bitte dieses Motto für Skitouren und Co. verwerfen. Eine ordentliche Planung im Vorfeld gibt nämlich die notwendige Sicherheit, die im alpinen Gelände Gold wert ist. Was solltest du dir vor deiner Tour ansehen?


Lawinenlagebericht

Hier gibt es keine Ausrede. Du musst wissen, welche Lawinengefahrenstufe für die Gegend herrscht, in der du unterwegs bist. Hier hast du verschiedene Möglichkeiten, wie du tagesaktuell für deine Region die wichtigsten Informationen erhältst:

✓ Online-Lawineninfos, z.B. lawine.at, lawinen.at
✓ regelmäßige Updates per Whatsapp-Nachricht, z.B. vom Lawinenwarndienst Tirol
✓ telefonische Auskunft

Und dann heißt es, sich ganz ehrlich die Frage zu stellen, ob das Risiko für eine Tour vertretbar oder schon zu hoch ist. Je nach Lawinenwarnstufe kann es auch Sinn ergeben, die Destination noch einmal zu ändern. Je höher die Lawinengefahr, desto flacher sollte der Hang sein. Das heißt konkret: Bei Lawinengefahrenstufe 2 sollten es nicht mehr als 40 Grad sein, bei Stufe 3 35 Grad und bei Stufe 4 sollten es unter 30 Grad sein. Bei Stufe 5 solltest du nicht im freien Gelände unterwegs sein.  


Wetterbericht

Bei Wind und Wetter draußen unterwegs? Den Wetterbericht solltest du nicht mit Missachtung strafen. Beobachte ihn schon einige Tage vorher ganz genau und achte auf:

✓ Temperaturschwankungen
✓ Neuschnee
✓ hohe Windgeschwindigkeiten

Auch wenn auf der Tour selbst das Wetter plötzlich umschlägt, solltest du lieber auf Nummer sicher gehen. Nicht nur in Sachen Lawinengefahr erweist sich das als guter Ratschlag.

Ausrüstung: Sicher im freien Gelände unterwegs


Ausrüstung: Sicher im freien Gelände unterwegs

Eine Ausrüstung für das Skitourengehen ist eine Investition in die eigene Sicherheit. Sie gehört zu den Dingen, für die man etwas tiefer in die Tasche greifen muss und die man gleichzeitig nie, nie, nie hernehmen möchte. Trotzdem führt kein Weg an hochwertigem Equipment vorbei. Dazu gehört:

✓ ein Lawinenverschüttungs-Suchgerät (LVS)
✓ eine Schaufel
✓ eine Lawinensonde
✓ Optional: ein Rucksack mit Lawinenairbag

Darüber hinaus gehören zur Notfallausrüstung ein Handy, um die Bergrettung kontaktieren zu können, sowie ein Erste-Hilfe-Kasten und ein Biwaksack.

Doch die beste Ausrüstung hilft nichts, wenn du dich damit viel zu wenig auskennst. Deshalb heißt es: Ausrüstung kennen lernen und verwenden können. Der österreichische Alpenverein bietet beispielsweise immer wieder Kurse zur Lawinenbergung an. Am besten informierst du dich bei deiner Zweigstelle über die entsprechenden Termine, bevor du das erste Mal Schwünge im alpinen Gelände setzt.

Verhaltensregeln: Lawinensicherheit beginnt mit dir


Verhaltensregeln: Lawinensicherheit beginnt mit dir

Der Rucksack ist gepackt, das Suchgerät eingeschaltet, die sorgfältige Vorbereitung abgeschlossen und schon kann es losgehen? Sicher, aber nur, wenn du und deine Gruppe diese grundlegenden Regeln beachtet:


Warnungen ernstnehmen

Wir betonen es nochmal: Nimm die Lawinenwarnungen durchaus ernst, hör auf die Einheimischen, die sich oftmals um einiges besser auskennen und beobachte die Umgebung auch, während du unterwegs bist, damit du auf Veränderungen reagieren kannst.


Geländefallen meiden

Es gibt immer wieder einige Gefahrenstellen, die du am besten vermeiden solltest. Rinnen und Mulden haben wir bereits angesprochen, auch felsiges Gelände und Übergänge von wenig zu viel Schnee sind potenziell lawinengefährlich.

Bei Gefahrenzeichen wie mehr als 30 cm Neuschnee, frischem Triebschnee und Anzeichen von Wind solltest du lieber einen anderen Hang wählen. Das gilt auch bei Setzungsgeräuschen, die nicht zu überhören sind, Schneerissen und – natürlich – wenn du an frischen Lawinen vorbeistapfst.


Abstand halten

Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, in der Gruppe sicherer zu sein: Beim Aufstieg gilt, dass du zwischen dir und deinem Vordermann bzw. deiner Vorderfrau ca. 10-20 Meter Abstand halten solltest. Noch mehr sollte es für die Abfahrt sein. Fahrt am besten von Sammelpunkt zu Sammelpunkt.




Verhalten für den Ernstfall üben

Erfahrungsberichte zeigen: Bei einem Lawinenabgang setzt der Kopf aus und die Panik ein. Deshalb hilft es nur theoretisch weiter, wenn wir dir sagen, dass du deinen Airbag auslösen, dich an der Oberfläche halten und die Skistöcke wegwerfen sollt, während du an den Rand der Lawine gelangst. Stattdessen geben wir dir noch einmal den Tipp mit auf den Weg, möglichst einen Kurs zu besuchen.

Ein gesunder Respekt vor der Naturgewalt Lawine und eine gewisse Verzichtbereitschaft helfen dir dabei, Risiken abzuschätzen. Und wenn die Lawinengefahr nicht zu hoch ist, wünschen wir: Viel Spaß bei deinen Tiefschneeschwüngen und gute und sichere Fahrt!