25.05.2018

Skibefahrung der Eiger Westflanke

Der Eiger in den Berner Alpen/Schweiz gehört durch seine 1800 Meter Nordwand und seine Bergdramen wohl zu einem der spektakulärsten und bekanntesten Berge weltweit. Über die Westflanke ist eine Befahrung mit Skiern möglich. Schon lange steht dies auf der Ski-to-do Liste von Fischer Freeriderin Melissa Presslaber. In diesem Frühling war es soweit:

Gemeinsam mit einem Freund von mir geht es nach Grindelwald. Bereits von der Ferne leuchtet uns das berühmte Dreigestirn Eiger 3970 m, Mönch 4107m und Jungfrau 4158m entgegen. Um uns den langen Fußmarsch zu ersparen, gönnen wir uns die Bahnfahrt bis zur Kleinen Scheidegg und dann weiter zur Station Eigergletscher auf 2320m. Dort platzieren wir unser Zelt, kochen uns etwas Leckeres und sind fasziniert von dieser sensationellen Bergkulisse.

Immer wieder hört man Seracs brechen, am Berg herrscht ständige Bewegung. Wir beobachten auch eine Hubschrauberbergung vom Gipfel der Jungfrau. Was die Bergsteiger wohl gegen 19 Uhr noch am Gipfel gemacht haben? Am nächsten Morgen brechen wir zeitig auf. Nur kurz sind wir mit Fellen unterwegs, denn schon bald müssen wir aufgrund der Steilheit die Skier am Rucksack befestigen und mit Steigeisen weiter. Bis auf einen Speedskitourengeher und zwei andere junge Schweizer sind wir ganz alleine unterwegs. Der riesige Serac unter dem wir queren müssen ist eindrucksvoll und zugleich beängstigend. Denn würde davon etwas abbrechen, wir wären genau in der Schusslinie.

Wir kommen gut voran, sind nun im oberen Drittel der Wand. Steilheit um die 45 bis maximal 50 Grad. Teilweise müssen wir uns durch felsdurchsetztes Gelände durchschwindeln, leider hat es nicht ganz so viel Schnee hier, aber für die Abfahrt müsste es reichen. Wenige Höhenmeter unterhalb des Gipfels bläst uns der eisige Wind entgegen. Dort deponieren wir auch die Skier, denn es hat im Gipfelbereich zu wenig Schnee um von ganz oben abzufahren. Geschafft! Wir stehen am Eiger! Nur kurz verweilen wir am Gipfel, denn durch den Wind ist es bitterkalt.

Der kurze Tiefblick in die Nordwand des Eigers ist sehr beindruckend. 1938 gelang einer deutsch-österreichischen Viererseilschaft die Erstbesteigung in drei Tagen, heute wird die Wand, dessen Kletterrouten zu den längsten und anstrengendsten der Alpen zählt, von Spitzenalpinisten innerhalb weniger Stunden bestiegen. Vom Skidepot klettern wir noch ein kurzes Stück ab, um uns die Skier anzuschnallen. Im Frühjahr ist der richtige Zeitpunkt bei der Abfahrt entscheidend. Durch den starken Wind und die kalten Temperaturen hat es erst spät aufgefirnt. Somit herrschen nun perfekte Bedingungen für die Abfahrt. Im oberen Bereich müssen wir uns durch das felsdurchsetzte Gelände bewegen, dann ist die Skiabfahrt nur mehr reinstes Vergnügen.

Knappe 1700 Höhenmeter Aufstieg mit anschließender Abfahrt haben wir nun in den Beinen. Wir kehren zurück zu unserem Biwakplatz und gönnen uns erstmal eine kleine Stärkung. Ehrfürchtig blicken wir zurück und freuen uns über die gelungene Abfahrt. Bis zur Kleinen Scheidegg fahren wir mit Skiern weiter, danach bringt uns der Zug wieder nach Grindelwald, wo wir in der Sonne uns eine wohlverdiente Jause gönnen. Was für ein Tag! Wird auf alle Fälle in Erinnerung bleiben…

Text & Bilder: Melissa Presslaber

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