Nordic

Coast to coast - Eine Expedition wie in früheren Zeiten

Mit dem Segelboot, zu Fuss und mit dem Kite haben wir unsere Grönlanddurchquerung 2018 erfolgreich über die Bühne gebracht – ein Abenteuer in purer Form, bedächtig, manchmal ungewiss und voller nachhaltiger Erlebnisse.

Es war ein hartes Stück Arbeit, Grönland zu erreichen. Anfang Juli 2018 bin ich mit Stefan Glowacz und Philipp Hans aufgebrochen zu unserer Coast-to-Coast-Expedition «by fair means». Wir fuhren mit zwei Elektroautos von München nach Schottland, wobei wir uns schrittweise an das langsame Vorwärtskommen anpassten: So optimierten wir etwa unser Zeitmanagement, indem wir dann schliefen, wenn die Batterien unterwegs eine Ladung Strom benötigten. Herausfordernder wurde die Sache, als wir Landratten erst auf dem Meer waren. An Bord des Segelbootes «Santa Maria» nahmen wir Kurs auf Grönland, via Island an die Westküste Grönlands. Es dauerte viele Tage, bis wir soweit waren, alleine eine Schicht an Deck zu bewältigen. Nicht zu reden davon, wie wir stürmische Tage mit meterhohen Wellen überstanden, die Übelkeit in Schach hielten und uns an die ewige Einsamkeit auf dem Wasser gewöhnten.

34 Tage nach der Abfahrt von der schottischen Küste lud uns Skipper Wolf an der Küste Grönlands ab und wir begannen, unser gesamtes Material aufs Inlandeis zu schleppen – ein kräfteraubendes und langweiliges Hin und Her. Doch «by fair means», soviel hatten wir unterdessen gelernt, bedeutet, nicht nur langsam unterwegs zu sein, sondern auch autonom. Keine Abflugzeiten an Flughäfen bestimmten unser Tun, kein Pokern auf verfügbare Heli-Plätze oder Busfahrpläne – sondern nur unser Rhythmus legte den Takt fest. So musste es auf den Expeditionen von einst gewesen sein!

Auf dem Inlandeis spielte wie immer das Wetter eine wichtige Rolle. Wir hatten einen auch für grönländische Verhältnisse kalten Sommer erwischt und in den ersten zwei Wochen gab es kaum Wind. Wie Schnecken schlichen wir übers Eis, auf unseren Skiern und mit den schweren Schlitten im Schlepptau. Es war schwierig, die Motivation nicht zu verlieren. Zudem erfuhren wir, dass unser Skipper wegen einer Verletzung eines Crewmitglieds und Stürmen aufgehalten worden war, und wir machten uns Sorgen, ob er rechtzeitig an der Ostküste eintreffen würde. Doch dann kam der Tag, an dem wir 125 Kilometer mit den Kites übers Eis fahren konnten. Rundum gab es nichts als Eis und Schnee, während wir mit hoher Geschwindigkeit dahinflogen – ein fantastisches Gefühl. Das Blatt war gewendet, wir kamen vorwärts, fanden einen Abstieg vom Gletscher an die Küste und schliesslich traf sogar die Santa Maria ein, ziemlich auf den Tag genau, als unsere Essensvorräte aufgebraucht waren. Auf meine Fischer-Ski konnte ich mich zu hundert Prozent verlassen, egal es langsam, Schritt für Schritt vorwärts ging, oder ob ich mit 30 Sachen am Kite übers Eis bretterte.

Ihr/Euer Thomas Ulrich

Fakten:

  • Fahrt mit einem Elektro-BMW nach Schottland
  • Mit dem Segelboot von Schottland über Island an die Westküste Grönlands
  • Durchquerung Grönland von West nach Ost mit Skis und Kite (1000 Kilometer)
  • Segeltrip grönländische Ostküste zurück nach Schottland
  • Rückreise mit Elektroauto
  • Dauer der Expedition: 3 Monate