Lena Dürr (GER)
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DÜRR: "ICH MACHE MIR KEINEN STRESS!"

03.02.2012
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Lena Dürr (GER) gehört im alpinen Kader des DSV zur Generation "Sotschi 2014". Im Exklusiv-Interview spricht die 20-Jährige über ihre Leistungssteigerung im Slalom, ihr Potenzial in den Speed-Disziplinen und verrät, wie man die Weltspitze erreichen kann, auch wenn man nicht in den Bergen aufgewachsen ist.

(Interview: Thomas Janz / Eurosport)

 

Du bist auf dem besten Weg, dich im Weltcup zu etablieren. Was ist das für ein Gefühl, langsam aber sicher im Konzert der Großen mitzumischen?

 

Lena Dürr: Das ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl. Ich merke auch, dass ich von der Schule keinen Druck mehr habe. So konnte ich im Sommer konditionell viel mehr trainieren und auch viel höhere Trainingsumfänge auf Skiern absolvieren. Jetzt fällt es mir einfach leichter und ich kann meine Leistung konstanter abrufen. Mit Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg haben wir zwei der besten Läuferinnen im Weltcup im Team. Das ist für uns junge Athletinnen, zu denen ich gehöre, ein riesiger Vorteil.

 

Was kann man als junge Rennläuferin von Höfl-Riesch und Rebensburg mitnehmen?

 

Dürr: Schon alleine von ihrem Grundverhalten am Berg kann man von beiden viel lernen. Wir unterhalten uns beispielsweise bei der Besichtigung der Strecke. Nachmittags bei der Videoanalyse hat man immer den Vergleich mit den absoluten Top-Fahrerinnen. Das ist schon etwas Besonderes.

 

Du hast  in diesem Winter in deiner Spezialdisziplin Slalom wieder einen Sprung nach vorne gemacht. In welchen Bereichen hast du dich im Stangenwald besonders verbessert?

 

Dürr: Ja, im Slalom habe ich mich in der Rangliste von Nummer 54 auf 16 vorgearbeitet. Auch das ist ein Resultat der gesteigerten Trainingsumfänge. Gerade im Slalom ist das extrem wichtig. Je mehr Tore man fahren kann, desto mehr Sicherheit stellt sich ein.

 

In St. Moritz hast du überraschend auch gezeigt, welches Potenzial in den Speed-Disziplinen in dir steckt. Hat dich die gute Fahrt im Super-G der Super-Kombination auch selbst verwundert?

 

Dürr: Ich bin ein Jahr lang weder Abfahrt noch Super-G gefahren. Trotzdem habe ich habe gewusst, dass ich schnell sein kann. Aber man muss natürlich auch in den Speed-Disziplinen fleißig trainieren. Vor allem im Super-G ist es bei der Besichtigung, schwer die optimale Linie zu lesen und zu erahnen, mit welcher Geschwindigkeit man auf die Tore zufährt. Das muss man über die Jahre lernen. Ich denke, ich habe den nötigen Grundspeed, aber die Feinheiten muss ich auf jeden Fall noch herausarbeiten. Und das braucht seine Zeit.

 

Planst du noch in diesem Winter Starts in den schnellen Disziplinen oder war dein Auftritt in der Super-Kombination von St. Moritz eine Eintagsfliege?

 

Dürr: Ich bin in St. Moritz gefahren, weil zwischen den Technikrennen eine Pause war. In Sotschi werde ich auch dabei sein, damit ich die Strecke der Olympischen Spiele 2014 kennenlerne. Im Super-G werde ich nächsten Winter sicher öfter starten. Dennoch muss man den Speed-Bereich langsam aufbauen, sonst geht der Schuss nach hinten los.

 

Das macht ja den Eindruck, als würde mit Lena Dürr eine neue Allrounderin heranwachsen.

 

Dürr: Da muss man abwarten. Ich bin erst 20 Jahre alt. Mein Ziel für diesen Winter sind die Top 15 im Slalom und Riesenslalom, damit ich nächstes Jahr eine gute Startnummer habe. Und dann werden wir die schnellen Disziplinen langsam dazu nehmen.

 

Deine Schwester Katharina ist ebenfalls im Weltcup-Team des Deutschen Skiverbandes. Ist das für dich eine Unterstützung?

 

Dürr: Ja, auf jeden Fall. Wir sind zwar in zwei verschiedenen Trainingsgruppen, aber im Weltcup teilen wir immer ein Zimmer. Das ist auf jeden Fall positiv, weil wir uns wie mit den anderen Teammitgliedern austauschen können.

 

Inwieweit hat denn dein Vater Peter Dürr, der wie du und Katharina im Weltcup gefahren ist, noch Einfluss auf die Entwicklung der Rennläuferin Lena Dürr?

 

Dürr: Er nimmt gar keinen Einfluss mehr. Früher war Papa der Trainer, jetzt sieht er sich die Rennen wie viele andere auch im Fernseher an. Er trainiert immer noch viel mit uns. Wenn wir laufen gehen, ist er meistens dabei. Aber ansonsten haben wir die besten Trainer im DSV - und die machen ihre Sache wirklich gut.

 

War der Wunsch dem Vater nachzueifern schon in der Kindheit präsent, oder besser gesagt, wie kommt es, dass gleich beide Töchter Rennläuferinnen geworden sind?

 

Dürr: Wir haben früher eigentlich viele verschiedene Sportarten gemacht. Und dann haben wir gemerkt, dass uns Skifahren am meisten Spaß macht. Und irgendwann muss man sich ja mal entscheiden. Wir haben lange Tennis gespielt. Die Kati hat Basketball gespielt. Aber Skifahren war eben das, was uns am meisten Spaß gemacht hat. Und das haben wir dann eben weiterverfolgt.

 

Du bist weder in Garmisch-Partenkirchen noch in Berchtesgaden sondern im Münchner Vorort Germering aufgewachsen, wo die Alpen nicht unbedingt vor der Haustüre sind. Wie hat sich dein Training in der Kindheit gestaltet?

 

Dürr: Ich bin ganz normal zu Hause in die Schule gegangen. Meine Eltern mussten Kati und mich immer zum Training in die Berge fahren. Die Wege waren schon weit. Wir haben es nur durch die Unterstützung unserer Eltern so weit geschafft. Es gab viele Jugendliche in München, die zwar sehr talentiert waren, deren Elternhaus aber nicht hinter dem Sport stand. Dementsprechend wurde auch weniger in die sportliche Ausbildung investiert. Papa wusste genau, was wichtig ist und dass man alles dafür geben muss, um weit zu kommen. Und deswegen sind meine Schwester und ich jetzt da, wo wir sind.

 

In dieser Saison hast du schon zweimal an einem Podestplatz geschnuppert und dein Potenzial unter Beweis gestellt. Klappt es noch in diesem Winter mit einem Platz in den Top 3?

 

Dürr: Erzwingen kann man es sowieso nichts. Es kommt, wie es kommt. Da darf man nicht darauf spekulieren, sonst wird es immer schwieriger. Wenn ich zwei gute Läufe ohne Fehler runterbringe, dann sind die Top 5 sicherlich drin. Für einen Platz auf dem Siegerpodest benötigt man einfach auch ein bisschen Glück. Ich mache mir da keinen Stress. Wenn's passiert, dann passiert's!